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Strom an der Börse – Aus Atom wird Öko

By on 28. Mai 2010

Die deutschen Stromanbieter nehmen es mit der Bezeichnung Ökostrom scheinbar nicht so genau. Auf der EEX, der Leipziger Strombörse, wird freigiebig mit Atom- Kohle- und Ökostrom herumgemischt. Das Resultat bekommt das Label Ökostrom verpasst, und wird an die arglosen Verbraucher zu gesalzenen Preisen weitergeleitet.

Der Wechsel von regulärem Atomstrom auf die sogenannten erneuerbaren Energien ist längst nicht mehr eine Domäne von unverbesserlichen Idealisten. Der Markt für Ökostrom boomt, doch wer kann schon nachprüfen, ob der Saft aus der Steckdose wirklich zu 100 Prozent aus ökologischer gewonnener Elektrizität besteht? Scheinbar mischt sich unter die Energie aus Windkraft, Biomasse und Wasser ein beachtlicher Anteil guter alter Atomstrom. Der Preis kann für diesen als Öko etikettierten Mix natürlich gehörig angehoben werden.

Strom an der Börse – Wie funktioniert die Mogelei?

An der European Energy Exchange Börse in Leipzig werden Strompakete gehandelt wie Wertpapiere auf dem Parkett in Frankfurt. Gewisse Mengen an Elektrizität werden von den Händlern der Unternehmen eingekauft, wobei für Atomstrom natürlich am wenigsten hingelegt werden muss.

Mit einem cleveren Trick kann dieses Paket nun zu Ökostrom aufgewertet werden: Ein gewisser Anteil an ökologisch produzierter Elektrizität reicht aus, um das Paket als Ökostrom zu etikettieren. Eine gängige Praxis ist der Tausch zwischen ökologisch erzeugtem Strom, beispielsweise aus Norwegen, und der hiesigen, konventionell aus fossilen Rohstoffen erzeugten Elektrizität. Dieser Austausch wird ermöglicht durch das „Renewable Energy Certificate System“ (RECS).

Ökostrom an der Börse – Wo landet das Geld?

Mit den höheren Kosten für Ökostrom soll bekanntlich der Ausbau von Anlagen wie Windrädern oder Wasserkraftwerken finanziert werden. Bleibt die Frage, wieviel von den höheren Gebühren tatsächlich für solche Investitionen aufgewendet werden.

Die Realität sieht meist bitter aus, so auch in diesem Fall. Daher lohnt es sich, sich vor einem Stromwechsel genaustens über den neuen Anbieter mittels eines Stromanbieter Vergleich zu informieren, um nicht mehr Geld für einen irrelevanten Anteil Ökostrom verpackt in einem Mix aus konventionell erzeugter Energie zu bezahlen.

One Comment

  1. Bastian

    3. August 2010 at 09:09

    Ökostrom ist halt in der „Produktion“ teurer als der Atomstrom. Dass die Stromanbieter das allerdings nun vermischen und als Ökostrom verkaufen finde ich eine Frechheit.

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