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Deutsche Bank will Spacs in Europa einführen

By on 5. Juli 2008

„Special Acquisition Companies“ sollen den Anlagemarkt beflügeln.

Spacs sind ein aus den USA kommendes Anlagemodell. Sie werden von Banken oder anderen Investmentgesellschaften gegründet mit dem alleinigen Ziel, vom Geld ihrer Anteilseigner andere Firmen zu übernehmen. In den nächsten Wochen will nun die Deutsche Bank nach Informationen der Financial Times Deutschland die erste deutsche Spac gründen. Soll “Liberty International Acquisition Company” heißen und ab an der Euronext gehandelt werden.
Das Geschäftsmodell funktioniert wie folgt: Anleger investieren in die gerade gegründete Gesellschaft. Diese soll innerhalb von zwei Jahren das Geld in erfolgreich in Mehrheitsbeteiligungen, also Übernahmen, von Firmen anlegen. Gelingen die Akquisitionen nicht, bekommen die Anleger ihr Geld zurück und die Spac wird aufgelöst.

Spacs müssen als neue Anlageform von der Börsenaufsicht genehmigt werden. Bisher ist dies in Deutschland noch in keinem Falls geschehen (eben weil keine Gesellschaften angemeldet wurden),  es spricht aber staatlicherseits eigentlich auch nichts gegen diese Anlageform.

Der große Vorteil von Spacs ist, dass sie für den Anleger transparenter als Fondsgesellschaften sind. Denn während man Investmentfonds nur Geld leihen kann, kauft sich der Anleger wie bei normalen Firmenaktien einen Teil der Company, und erhält damit ein größeres Mitspracherecht über deren Aktivitäten. Außerdem muss die Firma über alle wichtigen, ihre Geschäfte betreffenden Ereignisse berichten.

Ein Nachteil ist jedoch, dass Anleger bei Spacs eigentlich die Katze im Sack kaufen. Denn verlässliche Informationen kann man lediglich über deren Gründer einholen. Man kann eine Spac kaum dazu zwingen, diese oder jene Übernahme zu tätigen. Welche Übernahmen die Company aber später in Angriff nehmen wird, ist völlig unklar. Die Gesellschaften haben außerdem anders als ihre Gründer vergleichsweise wenig Kapital zur Verfügung und können, da sie zudem immer gleich die ganze Firma kaufen, ihr Kapital kaum ausreichend streuen. Spacs setzen sich und ihre Anteilseigner daher einem hohen Risiko aus. Vielleicht ist dies ein Grund dafür, dass die Spac der Deutschen Bank sich vornehmlich bei mittelständischen Unternehmen aus Deutschland einkaufen will, die ja recht krisensicher sind. Die FTD berichtet von einem weiteren Risiko: Die Anteilseigner von Spacs müssen wie alle Akionäre bei anderen Firmen auch Übernahmegeschäfte dieser Firmen absegnen. Es soll Fälle gegeben haben, in denen sich Investoren bewusst in Spacs einkauften, um sich dann die Zustimmung zu sinnvollen Übernahmen für teueres Geld abkaufen ließen.

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